Geschichte

1949: Jebenhäuser Berg wird zur Rennstrecke

Die Jebenhäuser Straße war am 3. Juli 1949 der Schauplatz einer ungewöhnlichen Sportveranstaltung – ein vom Haus der Jugend auf Anregung der Amerikaner organisiertes Seifenkistenrennen. 283 Fahrer zwischen 10 und 15 Jahren stellten sich dem Abenteuer. Der Start der etwa ein Kilometer langen Strecke befand sich am Waldrand auf dem Jebenhäuser Berg. Das Ziel war an der Kreuzung zur Jahnstraße.

Die Göppinger Teilnehmer hatten einige Tage vor dem Rennen die Möglichkeit, sich mit der Strecke vertraut zu machen, die Auswärtigen nutzten die Gelegenheit am Morgen des großen Tages. Nachdem Fahrer und Fahrzeuge abgenommen waren, konnten die Vorläufe um 10 Uhr beginnen. Gegen 18 Uhr waren die Sieger ermittelt. Rund 15.000 Besucher säumten die Strecke, um dem ersten Ereignis dieser Art in Göppingen beizuwohnen. Sogar Radio Stuttgart kam zur Veranstaltung.

Die drei Bestplatzierten qualifizierten sich für ein Rennen in Stuttgart, bei dem sie den Kreis Göppingen vertraten. Natürlich winkten ihnen auch attraktive Preise wie eine Reise, ein Fahrrad, ein Radio und eine Armbanduhr. Die übrigen Teilnehmer erhielten Trostpreise. Der Gewinner des Rennens brauchte für die Strecke 1,24 Minuten und erreichte somit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 40 Kilometer pro Stunde.

1969: Seifenkistenrennen in Holzhausen

1969 wurde, um das 10jährige Jubiläum des Jugendwerks Holzhausen zu feiern, das Seifenkistenrennen aus Göppingen neu aufgelegt. Mit umgebauten Kinderwägen und anderen selbst gebauten Kisten fuhren die Jungscharler die Straße an der Christuskirche hinunter. Passiert ist zum Glück nichts Ernsthaftes. Einige Strohballen waren zur Begrenzung der Fahrbahn, Hendelmeiers Pfosten und des Auslaufs notwendig.
Es war ein voller Erfolg und die Seifenkistenrennen fanden dann jährlich in der Fichtenstraße statt. Über das Bezirksjugendwerk wurde bezirksweit eingeladen und immer genauere Normen für die Kisten entwickelt.

Zu dieser Zeit boomten die Seifenkisten in Deutschland, nicht zuletzt weil die damalige Adam Opel AG die Schirmherrschaft und das Sponsoring übernahm.

Den Siegern beim Rennen winkt die Teilnahme an der deutschen Seifenkisten Meisterschaft.

Bis 1984 wurde das Seifenkistenrennen des Evang. Jugendwerkes Bezirk Göppingen in Holzhausen ausgetragen. Auf Grund des schlechten Straßenzustands machte man sich auf die Suche nach einer anderen sicheren Rennstrecke.

Quelle: Festschrift des EJW Holzhausen zum 50 jährigen Jubiläum im Jahre 2009


1985: Ein Seifenkistenrennen zieht um nach Hattenhofen

Nach mehrjähriger intensiver Suche fand das Seifenkistenrennen des Jugendwerkes Bezirk Göppingen eine neue Heimat in Hattenhofen. Die Rennstrecke am Ortsrand beim Riedenhof bot fast ideale Bedingungen in Punkto Sicherheit; guter Straßenbelag, keine Bordsteine, keine scharfe Kurven, Gefälle am Start – genügend flacher Auslauf nach dem Ziel und – die Rennstrecke konnte ohne große Umleitung oder Absperrungen gesperrt werden. Ausrichter waren in den Anfangszeiten die Jungscharen der evang. Kirchengemeinde Hattenhofen und das Evang. Jugendwerk Bezirk Göppingen – später dann nur noch das Jugendwerk mit Unterstützung von Mitarbeitern anderer Ortsgruppen.

Sicherheit wurde immer wichtiger, da die Seifenkisten inzwischen längst dem „Kinderwagen-Image“ entwachsen waren. Stromlinienförmige Kisten mit neuen Materialien wie Glasfaserverstärkter Kunststoff, Kohlefaser, vermessene Achsen

(teils auf das Gewicht von Fahrer und Kiste abgestimmt und vorgebogen) gingen ab jetzt an den Start.

Nachdem Opel das Engagement bei den Seifenkisten eingestellt hatte, wurde eine neue Klasse vom neuen Sponsor eingeführt: die Formel-„UHU“-Klasse. Eine einfacher zu bauende Seifenkiste mit stark eingeschränkten Vorgaben an Gewicht, Bauform und Alter der Fahrer. Man wollte so die Seifenkisten wieder auf ein bezahlbares und vor allem mit Heimwerkerkenntnissen zu bauendes Niveau bringen.

Auch an der Rennstrecke selbst tat sich viel:
Zeitmessung wurde erst mit mechanischer Auslösung und Lichtschranke; später dann mit 2 Lichtschranken durchgeführt.

Die Auswertung erfolgte mit Computer und entsprechendem Auswertungsprogramm.

Mit wenigen Unterbrechungen fand das Seifenkistenrennen der Jungscharen aus ejGP j
ährlich bis 2007 statt.
Parallel zum Bezirksrennen der Jungscharen vom ejGP gibt es seit 1996 ein weiteres Rennen im Bezirk Göppingen:


1996: Jungscharen aus Roßwälden startet mit eigenem Rennen

Nach anhaltenden Rennerfolgen der Roßwälder Jungscharen bei den vergangenen Bezirksrennen in Hattenhofen, bei „Trainingsfahrten“ an Seifenkistenrennen des SK-Verbandes Baden Württemberg, sowie der regelmäßigen Qualifikation und Teilnahme an den Deutschen Seifenkisten Meisterschaften kam der Wunsch nach einem eigenen Rennen in Roßwälden auf.

Das know how war vorhanden, da einige Mitarbeiter bereits lange Jahre beim Seifenkistenrennen des Evang. Jugendwerks Göppingen in Holzhausen und später dann in Hattenhofen mit dabei waren. Um nicht in direkte Konkurrenz zum Jugendwerksrennen in Hattenhofen zu stehen, verzichteten die Roßwälder auf eine offene Anmeldeausschreibung und veranstalteten stattdessen ein Ortsrennen mit einem Lauf zur Baden Württembergischen Meisterschaft des SK-Verbandes Baden Württemberg.

Aus einer spleenigen Idee, wurde 1996 das 1. Roßwälder Seifenkistenrennen. (Kurioses am Rande: 3 Seifenkistenbegeisterte Familien übernahmen an diesem ersten Rennen das finanzielle Haftungsrisiko). Das Roßwälder Rennen fand zuerst jährlich, später dann in 2 jährigen Rhythmus bis 2008 statt; (das Programm der Jungscharen besteht nicht nur aus Seifenkisten fahren).
1998 und 2003 richteten die Jungscharen aus Roßwälden die Deutschen Seifenkistenmeisterschaften in den luftbereiften Klassen „SKL“ und „Formel X“ aus.


2010: Fusion der Seifenkistenrennen Hattenhofen und Roßwälden

Bezirksjugendwerk und die Jugend der evang. Kirchengemeinde Roßwälden schließen sich zusammen um künftig jährlich nur noch ein Seifenkistenrennen an wechselnden Rennstrecken (Hattenhofen und Roßwälden) auszutragen.

Diese Veränderung soll die Mitarbeiter, die teilweise an beiden Rennen engagiert waren, entlasten, den ständig wachsenden techn. Aufwand entschärfen und das Rennen wieder attraktiver für Fahrer (mehr Konkurrenz), Zuschauer (größeres Fahrerfeld) und Organisatoren (Synergieeffekte) machen.


Weitere Rennveranstalter

Im Laufe der Jahre gab und gibt es im Landkreis Göppingen weitere Veranstalter von Seifenkistenrennen.
Stadtjugendring Göppingen und Haus der Jugend GP griffen immer wieder Sk-Rennen auf, und spannten so einen Bogen zu den Anfängen der Rennen in Göppingen.
Seit Jahren gibt es in Rechberghausen-Oberhausen ein Rennen;

Vereinzelt veranstalten Feuerwehren, Autohäuser, Marketingvereine und Faschingsvereine Ihre Rennen.

Allen ist gemeinsam der Spaß am Bau und dem Fahren in selbstgebauten antriebslosen Fahrzeugen.

©
Reinhold Hägenläuer Jugend der evang. Kirchengemeinde Roßwälden-Weiler
22.06.2010