Grundlagen

Was ist eine Seifenkiste ?

1933 hatte ein Seifenhersteller in Ohio eine Idee. Damit seine Verpackung werbewirksam eingesetzt und weiterverwendet werden konnte, bildete er auf seine Versandkisten die Umrisse eines kleinen Rennwagens ab und lieferte die Zusatzteile gleich mit. Durch Aussägen der Umrisse, Montage der zugelegten Teile, wurde aus der einfachen Seifenkiste – die Seifenkiste.

Die ersten Rennen wurden gefahren, ein Reporter der „Dayton Daily News“ war bei einem solchen Rennen zugegen. Er fotografierte für seine Titelseite „Amerikas jüngste Rennfahrer“ – durch die darauf folgende positive Resonanz organisierte er das erste offizielle Seifenkistenrennen, bei dem nicht weniger als 348 Jungen und Mädchen an den Start gingen. Daraus bildete sich das alljährlich in Acron / Ohio stattfindende

„All American Soap Box Derby“,

bei dem die besten Seifenkistenfahrer aus allen Ländern um die Weltmeisterschaft kämpfen.

Der Durchbruch zur Teilnahme zur Deutschen Meisterschaft des DSKD (Dt. Seifenkisten-Derby) gelang 1991 (Berlin).Seit 1996 veranstalten die Jungscharen ihr eigenes Seifenkistenrennen, um den Jungs und Mädchen mehr Gelegenheit zum Fahren zu geben.Zahlreiche Probefahrten zum Erlangen des „Führerscheins“ gehen voraus.Inzwischen besitzen wir 9 Seifenkisten, die von einem Team von 3 oder 4 Fahrer/innen (8-13 J.) im Ortsrennen gefahren werden.

Da diese Seifenkisten unterschiedliche Qualität und Größe haben, fährt jede Mannschaft um einen eigenen Siegerplatz.

Klasseneinteilung der Seifenkisten:
Junior-Klasse: 8-12 Jahre max. 90 kg (incl. Fahrer)

Senior-Klasse: 10-16 Jahre max. 113 kg (incl. Fahrer)
Gäste-Klasse: 10-16 Jahre max. 113 kg (incl. Fahrer)

Bei diesen Klassen gelten die Bauvorschriften des deutschen Seifenkisten Derby

Schnupperklasse:: Alter 7-10 Jahre.
Extra-Klasse:: Alter 8-16 Jahre.

Beliebige Bauform und mit mind. 3 Räder, Bremse und Lenkung müssen so gebaut sein, dass sie eine sichere Funktion gewährleisten.
Seifenkisten die nicht mehr den aktuellen Bauvorschriften des DSKD entsprechen,
starten auch in dieser Klasse
Wertung: 1 Probelauf, 2 Wertungsläufe – jedoch Gleichmäßigkeitswertung.

Gäste-Klasse: 8-16 Jahre max. 113 kg (incl. Fahrer)
(Fahrer außerhalb des Bezirks)
Bauvorschriften wie Extra-Klasse.

Siegerwertungen:
Einzelwertung:

Die besten 3 Fahrer jeder Klasse bekommen einen Pokal.

Teamwertung:

Seifenkisten mit 3 oder 4 Fahrern fahren um einen Mannschaftspokal in jeder Klasse.

Ortswertung (nur Fahrer aus Roßwälden oder Weiler:
Jedes Seifenkisteteam fährt um einen Pokal (bester jeder Kiste).

Geschichte

1949: Jebenhäuser Berg wird zur Rennstrecke

Die Jebenhäuser Straße war am 3. Juli 1949 der Schauplatz einer ungewöhnlichen Sportveranstaltung – ein vom Haus der Jugend auf Anregung der Amerikaner organisiertes Seifenkistenrennen. 283 Fahrer zwischen 10 und 15 Jahren stellten sich dem Abenteuer. Der Start der etwa ein Kilometer langen Strecke befand sich am Waldrand auf dem Jebenhäuser Berg. Das Ziel war an der Kreuzung zur Jahnstraße.

Die Göppinger Teilnehmer hatten einige Tage vor dem Rennen die Möglichkeit, sich mit der Strecke vertraut zu machen, die Auswärtigen nutzten die Gelegenheit am Morgen des großen Tages. Nachdem Fahrer und Fahrzeuge abgenommen waren, konnten die Vorläufe um 10 Uhr beginnen. Gegen 18 Uhr waren die Sieger ermittelt. Rund 15.000 Besucher säumten die Strecke, um dem ersten Ereignis dieser Art in Göppingen beizuwohnen. Sogar Radio Stuttgart kam zur Veranstaltung.

Die drei Bestplatzierten qualifizierten sich für ein Rennen in Stuttgart, bei dem sie den Kreis Göppingen vertraten. Natürlich winkten ihnen auch attraktive Preise wie eine Reise, ein Fahrrad, ein Radio und eine Armbanduhr. Die übrigen Teilnehmer erhielten Trostpreise. Der Gewinner des Rennens brauchte für die Strecke 1,24 Minuten und erreichte somit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 40 Kilometer pro Stunde.

1969: Seifenkistenrennen in Holzhausen

1969 wurde, um das 10jährige Jubiläum des Jugendwerks Holzhausen zu feiern, das Seifenkistenrennen aus Göppingen neu aufgelegt. Mit umgebauten Kinderwägen und anderen selbst gebauten Kisten fuhren die Jungscharler die Straße an der Christuskirche hinunter. Passiert ist zum Glück nichts Ernsthaftes. Einige Strohballen waren zur Begrenzung der Fahrbahn, Hendelmeiers Pfosten und des Auslaufs notwendig.
Es war ein voller Erfolg und die Seifenkistenrennen fanden dann jährlich in der Fichtenstraße statt. Über das Bezirksjugendwerk wurde bezirksweit eingeladen und immer genauere Normen für die Kisten entwickelt.

Zu dieser Zeit boomten die Seifenkisten in Deutschland, nicht zuletzt weil die damalige Adam Opel AG die Schirmherrschaft und das Sponsoring übernahm.

Den Siegern beim Rennen winkt die Teilnahme an der deutschen Seifenkisten Meisterschaft.

Bis 1984 wurde das Seifenkistenrennen des Evang. Jugendwerkes Bezirk Göppingen in Holzhausen ausgetragen. Auf Grund des schlechten Straßenzustands machte man sich auf die Suche nach einer anderen sicheren Rennstrecke.

Quelle: Festschrift des EJW Holzhausen zum 50 jährigen Jubiläum im Jahre 2009


1985: Ein Seifenkistenrennen zieht um nach Hattenhofen

Nach mehrjähriger intensiver Suche fand das Seifenkistenrennen des Jugendwerkes Bezirk Göppingen eine neue Heimat in Hattenhofen. Die Rennstrecke am Ortsrand beim Riedenhof bot fast ideale Bedingungen in Punkto Sicherheit; guter Straßenbelag, keine Bordsteine, keine scharfe Kurven, Gefälle am Start – genügend flacher Auslauf nach dem Ziel und – die Rennstrecke konnte ohne große Umleitung oder Absperrungen gesperrt werden. Ausrichter waren in den Anfangszeiten die Jungscharen der evang. Kirchengemeinde Hattenhofen und das Evang. Jugendwerk Bezirk Göppingen – später dann nur noch das Jugendwerk mit Unterstützung von Mitarbeitern anderer Ortsgruppen.

Sicherheit wurde immer wichtiger, da die Seifenkisten inzwischen längst dem „Kinderwagen-Image“ entwachsen waren. Stromlinienförmige Kisten mit neuen Materialien wie Glasfaserverstärkter Kunststoff, Kohlefaser, vermessene Achsen

(teils auf das Gewicht von Fahrer und Kiste abgestimmt und vorgebogen) gingen ab jetzt an den Start.

Nachdem Opel das Engagement bei den Seifenkisten eingestellt hatte, wurde eine neue Klasse vom neuen Sponsor eingeführt: die Formel-„UHU“-Klasse. Eine einfacher zu bauende Seifenkiste mit stark eingeschränkten Vorgaben an Gewicht, Bauform und Alter der Fahrer. Man wollte so die Seifenkisten wieder auf ein bezahlbares und vor allem mit Heimwerkerkenntnissen zu bauendes Niveau bringen.

Auch an der Rennstrecke selbst tat sich viel:
Zeitmessung wurde erst mit mechanischer Auslösung und Lichtschranke; später dann mit 2 Lichtschranken durchgeführt.

Die Auswertung erfolgte mit Computer und entsprechendem Auswertungsprogramm.

Mit wenigen Unterbrechungen fand das Seifenkistenrennen der Jungscharen aus ejGP j
ährlich bis 2007 statt.
Parallel zum Bezirksrennen der Jungscharen vom ejGP gibt es seit 1996 ein weiteres Rennen im Bezirk Göppingen:


1996: Jungscharen aus Roßwälden startet mit eigenem Rennen

Nach anhaltenden Rennerfolgen der Roßwälder Jungscharen bei den vergangenen Bezirksrennen in Hattenhofen, bei „Trainingsfahrten“ an Seifenkistenrennen des SK-Verbandes Baden Württemberg, sowie der regelmäßigen Qualifikation und Teilnahme an den Deutschen Seifenkisten Meisterschaften kam der Wunsch nach einem eigenen Rennen in Roßwälden auf.

Das know how war vorhanden, da einige Mitarbeiter bereits lange Jahre beim Seifenkistenrennen des Evang. Jugendwerks Göppingen in Holzhausen und später dann in Hattenhofen mit dabei waren. Um nicht in direkte Konkurrenz zum Jugendwerksrennen in Hattenhofen zu stehen, verzichteten die Roßwälder auf eine offene Anmeldeausschreibung und veranstalteten stattdessen ein Ortsrennen mit einem Lauf zur Baden Württembergischen Meisterschaft des SK-Verbandes Baden Württemberg.

Aus einer spleenigen Idee, wurde 1996 das 1. Roßwälder Seifenkistenrennen. (Kurioses am Rande: 3 Seifenkistenbegeisterte Familien übernahmen an diesem ersten Rennen das finanzielle Haftungsrisiko). Das Roßwälder Rennen fand zuerst jährlich, später dann in 2 jährigen Rhythmus bis 2008 statt; (das Programm der Jungscharen besteht nicht nur aus Seifenkisten fahren).
1998 und 2003 richteten die Jungscharen aus Roßwälden die Deutschen Seifenkistenmeisterschaften in den luftbereiften Klassen „SKL“ und „Formel X“ aus.


2010: Fusion der Seifenkistenrennen Hattenhofen und Roßwälden

Bezirksjugendwerk und die Jugend der evang. Kirchengemeinde Roßwälden schließen sich zusammen um künftig jährlich nur noch ein Seifenkistenrennen an wechselnden Rennstrecken (Hattenhofen und Roßwälden) auszutragen.

Diese Veränderung soll die Mitarbeiter, die teilweise an beiden Rennen engagiert waren, entlasten, den ständig wachsenden techn. Aufwand entschärfen und das Rennen wieder attraktiver für Fahrer (mehr Konkurrenz), Zuschauer (größeres Fahrerfeld) und Organisatoren (Synergieeffekte) machen.


Weitere Rennveranstalter

Im Laufe der Jahre gab und gibt es im Landkreis Göppingen weitere Veranstalter von Seifenkistenrennen.
Stadtjugendring Göppingen und Haus der Jugend GP griffen immer wieder Sk-Rennen auf, und spannten so einen Bogen zu den Anfängen der Rennen in Göppingen.
Seit Jahren gibt es in Rechberghausen-Oberhausen ein Rennen;

Vereinzelt veranstalten Feuerwehren, Autohäuser, Marketingvereine und Faschingsvereine Ihre Rennen.

Allen ist gemeinsam der Spaß am Bau und dem Fahren in selbstgebauten antriebslosen Fahrzeugen.

©
Reinhold Hägenläuer Jugend der evang. Kirchengemeinde Roßwälden-Weiler
22.06.2010

Wenn ein fahrender Tisch den Berg hinuntersaust

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung 18.03.2003

Der Ebersbacher Teilort Roßwälden trägt deutsche Meisterschaften im Seifenkistenrennen aus – Premiere in der „Gaudiklasse“

ROSSWÄLDEN. Ob Formel-1-Look oder Tigerente, in Roßwälden dreht sich am Wochenende alles um die Seifenkiste. Die Jungschar des Ebersbacher Teilorts (Kreis Göppingen) lockt mit dem Rennen Profis aus Berlin ebenso an wie Kinder aus der Gemeinde.

Von Karen Schnebeck

Wenn am Samstag und Sonntag die Seifenkisten in Roßwälden die Kreisstraße Richtung Wellingen hinabsausen, wird einer ganz bestimmt auffallen: Der Berliner Norbert Timm startet mit einem umgebauten Tisch. Der Seifenkistenfan aus der Bundeshauptstadt hat 15 Kisten zu Hause stehen und startet jedes Jahr auf zahlreichen Rennen in ganz Deutschland. Dieses Wochenende fährt er beinahe außer Konkurrenz: In der Gaudiklasse starten neben ihm nur noch eine Familie aus Filderstadt und ein Fahrer aus Hechingen. Die Gaudiklasse gehört zu den Neuerungen im Roßwälder Rennprogramm. „Wir wollten den erwachsenen Fahrern auch etwas bieten“, erklärt Mitorganisatorin Elvira Denzinger. Sie hofft, dass neben Timm am Sonntag noch ein paar Kurzentschlossene mit ihren Sonderkonstruktionen auf der Piste starten.

Für einige der Piloten wird es am Sonntag allerdings ernst: Sie wollen mit ihren Rennkisten die deutsche Meisterschaft in den Klassen SK-L und Formel-X erringen. Die Vorschriften für die Fahrzeuge der SK-L-Klasse orientieren sich an den strengen Regelungen des Deutschen Seifenkisten Derbys (DSKD). Der Verein ist die Dachorganisation der Seifenkistenfahrer in Deutschland und trägt alljährlich die deutschen Meisterschaften der mit Vollgummi bereiften Kisten aus. In Roßwälden dagegen gehen die Piloten mit luftbereiften Flitzern an den Start. Die technische Neuerung sei eine baden-württembergische Spezialität, erklärt Denzinger. Daher veranstalte man die deutsche Meisterschaft für luftbereifte Kisten immer auch im Ländle.

Die Formel-X-Fahrer haben dagegen mehr Freiheiten. „Da darf jeder ein Stück weit bauen, was er will“, erklärt Denzinger. Bremsen und Lenkung werden allerdings vor dem Start bei jeder Kiste geprüft. Außerdem müssen die Gefährte drei Reifen haben, um als Seifenkiste durchzugehen.

Während es bei den Läufen zur deutschen und den Vorläufen zur baden-württembergischen Meisterschaft mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern bergab geht, zählt in der Gaudiklasse auch die Kreativität. Die Filderstädter Familie Schindler etwa, Norbert Timms bisher stärkste Konkurrenten, startet in einem Vater-Tochter-Doppelsitzer. Die Familie ist bereits seit Jahren auf Seifenkistenrennen in ganz Deutschland erfolgreich.

Mit bunten Kisten namens „Schwobapfeil“, „Roter Baron“ oder „gelber Panter“ beteiligen sich rund 35 Kinder aus der Gemeinde an den Ortsmeisterschaften am Samstag. Die Schnellsten dürfen am Sonntag erneut ran. Sie wollen mit den Jugendlichen gleichziehen, die vor wenigen Jahren noch als Kinder den Hang in Roßwälden hinabsausten und mittlerweile baden-württembergische und deutsche Meistertitel errungen haben.

Wer einfach mal ausprobieren möchte, ob er genug Mut hat, sein Leben einer Konstruktion anzuvertrauen, die in den 30er Jahren als Werbegag eines Seifenherstellers ihren Siegeszug in den USA antrat, kann eine der zwei Testkisten besteigen. Für Informationen rund um die verschiedenen Rennklassen und Seifenkisten ist Streckensprecher Edgar Hiersekorn verantwortlich. Er versorgt die Zuschauer auch mit Infos zu den neuesten Streckenrekorden.´